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Rettungseinsätze in der Gebirgsluftrettung

 

Die geologische Lage des Luftrettungszentrums Traunstein bringt es mit sich, dass jährlich ca. 10-15 % der Einsätze im Gebirge stattfinden. Etwa ein Drittel davon werden mit Hilfe des Rettungstausystems durchgeführt.

Heutzutage steht damit der Bergwacht ein schnelles und zuverlässiges Rettungssytem zu Verfügung, das es ermöglicht einen im Gebirge Verunglückten, unter günstigen Vorzeichen, innerhalb weniger Stunden medizinische Hilfe zukommen lassen. Früher waren teils tagelang währende, hochriskante terrestrische Rettungsunternehmungen erforderlich, die oft das Leben der Retter und der sich in Bergnot befindlichen Personen extrem gefährdete und auch kostete.

Nun ein kleiner, historischer Rückblick auf die Entwicklung der Gebirgsluftrettung.

Der erste Flug in den Alpen überhaupt fand am 10.03.1910 in St. Moritz statt und dauerte gerade mal sechs Minuten. Die erste “echte” Gebirgslandung erfolgte am 16.08.1919 unterhalb des Jungfraujoches auf dem Gletscher.

Die erste Gebirgsluftrettung wurde im November 1946 mit einem FISELER STORCH auf dem Gauligletscher/CH durchgeführt. Dabei wurde die Besatzung und Passagiere einer amerikanischen C 47 DAKOTA gerettet. Dieses Ereignis gilt als Geburtsstunde der Gebirgsluftrettung.

Nach Kriegsende nahm in den Fünfzigerjahren der alpine Tourismus sprunghaft zu, damit stieg auch stetig die Anzahl der Bergrettungseinsätze an. Ab 1956 begann man in Deutschland mit der alpinen Gebirgsluftrettung. Zunächst mussten die Bergwachtmänner noch bei geringer Fahrt und Höhe vom Hubschrauber abspringen, da die Triebwerksleistung für Landung und Schwebeflug in alpinen Höhen nicht ausreichte (BRISTOL SYCAMORE).

Erst mit Einführung von Turbinentriebwerken um 1960 herum standen Hubschrauber mit ausreichender Leistung zur Verfügung um Rettungen in großer Höhe durchzuführen. Es entwickelten sich nun in der Folge zwei Grundvarianten. Zum Einen das klassische Anlanden, zum Anderen die Bergung beziehungsweise Rettung mittels Winde. In unserem Nachbarland Österreich wurde im Weiteren eine dritte Variante entwickelt, das „Bergetau“, heute Rettungstau.

Ab Mitte der Neunzigerjahre wurde dieses System vom Bundesgrenzschutz (heute Bundespolizei) übernommen und bearbeitet, so daß es seit 1998 an den LRZ Kempten (Christoph 17) und Traunstein (Christoph 14) eingeführt werden konnte. Beide LRZ waren bis 2007 mit dem Hubschraubermuster Bo 105 ausgestattet.

Der Bergetaueinsatz wurde unter Verwendung von drei Fixtauen (15, 25 und 50m bei 11mm Seilstärke) durchgeführt, so dass man auf eine Gesamtlänge von 90m kam.

Mit Einführung des neuen Zivilschutzhubschraubers (ZSH) EC 135 ab Frühling 2007 wurde auch der Einsatz des Rettungstaus modernisiert und weiterentwickelt. Während bei der Bo 105 noch eine zusätzliche Seilsicherung (Redundanz), aufgrund des vorhandenen Einzellasthakensystems, erforderlich war, wird bei der EC 135 das Rettungstausystem an einem Doppellasthaken gehalten. Die Bedienung der Lasthakenanlage liegt nun standardisiert in den Händen des HCM (Luftrettungsassisstent).

Unser drittes Besatzungsmitglied, der Notarzt, befindet sich im Einsatzfall zusammen mit einem Bergretter am Rettungstau. Der HCM hat nun die Aufgabe den Piloten punktgenau einzusprechen. Ist der geplante Absetzpunkt mit Überhöhung erreicht, so zählt ein Retter am Tau die Höhe ab und der Hubschrauber senkt sich bis zum Aufsetzen.

Nach der Versorgung des Patienten wird dieser, meist mit Arztbegleitung, zur weiteren Versorgung, zum Tal- bzw. Zwischenlandeplatz gebracht.

Seit Einführung der EC 135 wird zudem, nach mehrjähriger Entwicklungszeit, das sog. „variable Rettungstausystem“ verwendet. Bei dieser Variante fährt ein Retter im „fast roping“ zur Einsatzstelle ab. Vorteil dieser Einsatzart ist, daß die Annäherung an den Einsatzort erheblich sicherer und zügiger erfolgen kann.

Die Taulänge variiert durch verschieden Seilkonfigurationen zwischen 15 und 90m.

Zur Zeit wird ein System entwickelt, das das Abfahren von zwei Rettern gleichzeitig ermöglicht.

Die Rettungstauverfahren werden an vier Tagen im Jahr von Piloten, HCM, Notärzten und Bergwacht-Luftrettern trainiert.

Die Notwendigkeit ständiger Übung und Weiterentwicklung zeigt ein Blick in die Stationsstatistik:

Während in den Anfangsjahren der Rettungstaufliegerei (1998-2002) jährlich kaum 20 Taueinsätze durchgeführt wurden, stieg die Anzahl auf rund 70 im Jahr 2009 an. Dies entspricht ca. 5% aller Luftrettungseinsätze durch Christoph 14.

Insgesamt wurden bis heute (Mai 2010) etwa 400 Rettungstaueinsätze durch die Crew Christoph 14 geflogen.